Die Zahl deutscher Studierender an staatlichen Hochschulen in Göttingen erhöhte sich in den letzten Jahren geringfügig, wozu hauptsächlich das Wachstum an der HAWK beitrug.
Grundsätzlich hängt die Zahl der Anträge von der Studierendenanzahl ab, entwickelte sich aber mangels gesetzlicher Anpassung der Bedarfsätze und Freibeträge negativ. Die Erhöhung der Sätze zum Herbst 2008 wirkte sich in Göttingen entgegen dem Landes- und Bundestrend weder in 2008 noch 2009 positiv aus.
Die Zahl der Förderungsfälle ist rückläufig und folgt damit den niedrigeren Antragszahlen der Jahre 2008 und 2009.
Die Gefördertenquote verminderte sich 2009 erneut auf 19,4 %. In Göttingen wird also nicht einmal mehr jeder fünfte deutsche Studierende gefördert.
Erstaunlich ist der Anstieg des durchschnittlichen Förderungsbetrags auf 434 €, nachdem dieser zuvor stagnierte. Offenbar wirkten sich die gesetzlichen Verbesserungen der 22. Novelle nicht auf die Anzahl der Geförderten, wohl aber auf die Höhe der Leistungen der Einzelnen aus.
Die vom Studentenwerk Göttingen veranlasste Auszahlungssumme erhöhte sich auf 22,7 Mio.€ gegenüber dem Vorjahresniveau deutlich. Dies ist trotz niedrigerer Gefördertenzahl naheliegende Folge der für die Einzelnen gestiegenen Förderungsbetäge.
Nach der letzten Anpassung 2001 wurden die Bedarfsätze 2008 um 10 % erhöht. Der Realwertverlust reduzierte sich damit. Ein vollständiger Ausgleich der Preissteigerung wurde nicht erreicht und diese Entwicklung setzte sich bis 2009 fort. Etwas anderes ergäbe sich aus der für 2010 vorgesehenen 23. Gesetzesnovelle.
Die Freibeträge wurden letztmalig 2002 und deshalb 2008 nur um 8 % angepasst. Wie beim Bedarf reichte dies nicht aus, die 2002 erreichte Kaufkraft zu erhalten. Auch hier ergäbe sich bei der für 2010 vorgesehenen Erhöhung ein günstigeres Bild.
Die Entwicklung der Bedarfssätze seit Einführung des BAföG 1971 macht deutlich, dass eine Verbesserung der Ausbildungsförderung seit 38 Jahren Illusion bleibt. Auch die im Herbst 2008 vorgenommene Anpassung änderte nichts. Die anfänglichen 215 € haben unter Berücksichtigung der Preissteigerung selbst im Falle einer Erhöhung 2010 nur noch einen Wert von 202 €, also 6 % weniger!
DSW-Präsident Rolf Dobischat enttäuscht, dass Bund und Länder sich nicht auf laufende BAföG-Novelle...